Lebenslauf Sprachkenntnisse: Wie Sie damit punkten können

In Stellenbeschreibungen werden immer häufiger sehr gute Englischkenntnisse gefordert. Daher sollten im Lebenslauf Sprachkenntnisse erwähnt werden. Ist dies in der Praxis wirklich immer notwendig? Tatsächlich ist das nicht immer der Fall. Einige Unternehmen übertreiben ihre Korrespondenz, um den eigenen Stellenwert zu erhöhen. Für Bewerber ist dies zunächst unerheblich. Sprachkenntnisse zu besitzen, ist immer ein Vorteil, wenn, ja wenn diese hinreichend sind. Wie sind Deine Sprachkenntnisse zu bewerten, und wie kannst Du damit im Lebenslauf und der Bewerbung punkten? Diese Frage soll nun beantwortet werden.

Soll ich schnell eine neue Sprache erlernen?

Immer mehr Sprachen werden in der globalisierten Wirtschaft wichtig. Exportorientierte Unternehmen arbeiten weltweit mit Partnern zusammen und verkaufen weltweit. War früher Englisch ausreichend, werden heute Chinesisch, Arabisch, Russisch und Spanisch bedeutender. Englischkenntnisse werden durch Schulen vermittelt, sodass dies kaum noch zusätzliche Pluspunkte bringen kann, so meint manch einer.

Sprachschulen im Internet versprechen, dass fast jeder schnell und einfach weitere Sprachen erlernen kann. Solltest Du dem folgen? Beantworte zunächst ehrlich, wie lange es gedauert hat, bis Du Dich fließend in Englisch unterhalten konntest. Die Antwort wird sehr wahrscheinlich in Jahre ausgedrückt werden müssen. Schnell sind also kaum mehr als geringe Grundkenntnisse zu erwerben. Doch das verschafft Dir bei Bewerbungen keinen Vorteil.

Also: Sprachen lernen ist gut und belegt Motivation sowie Leistungsbereitschaft. Es ist eine Investition in die Zukunft. Mit einer aktuellen Sprachkenntnis hat es allerdings nicht zu tun.

Welche Sprachkenntnisse gehören in den Lebenslauf?

Du kannst auf sechs Jahre Schulunterricht in Englisch verweisen und eine letzte Schulnote gut im Fach. Das bedeutete früher, dass Du Englischkenntnisse belegen konntest. Heute wird genauer hingeschaut. „Was kannst Du tatsächlich?“ Auch werden notwendige Sprachkenntnisse vor Einstellung überprüft. Daher sollten im CV (Curriculum Vitae), wie der Lebenslauf auch benannt wird, genaue Hinweise auftauchen. Behandle das Thema wie das Deckblatt der Bewerbung.

  1. Grundkenntnisse

    Der Wortschatz ist gering, sodass nur ein Smalltalk möglich ist. Beim Lesen von Texten muss ein Wörterbuch hinzugezogen werden. Dieses Basiswissen gehört nur in Ausnahmefällen in eine Bewerbung. Falls etwa ein Unternehmen in Spanien Filialen hält, kann es sinnvoll sein, Grundkenntnisse in Spanisch anzugeben, um eine Stelle oder Ausbildung zu erhalten. Betone dann immer, dass Du bestrebst und motiviert bist, diese Sprachkenntnisse zu erweitern.

  1. Erweiterte Grundkenntnisse

    Der Wortschatz ist befriedigend, um einfache Gespräche zu führen und Briefe zu verstehen. Fachgespräche können allerdings nicht geführt werden. Gebe also auch hierbei Sprachkenntnisse nur an, wenn in der Stellenbeschreibung lediglich Grundkenntnisse gefordert werden. Ansonsten gilt die Regel der Grundkenntnisse oben.

  2. Gute Sprachkenntnisse mit Konversationssicherheit

    Gespräche im Alltag sind problemlos möglich. Es bestehen noch Lücken im Schriftlichen, der Grammatik oder anderen Bereichen. Um Auskünfte am Telefon zu erteilen, reichen diese Sprachkenntnisse.

  3. Fremdsprache wird fließend bis verhandlungssicher beherrscht

    Texte aus Zeitschriften, Aufsätzen, Büchern und Briefen werden beherrscht. Die Sprachkenntnisse sind erprobt und trainiert, was belegt werden kann. Gespräche in Fachkreisen können geführt werden, um mit Geschäftspartnern und Kunden Kontakte auszubauen. Wenn zudem das Vokabular des Fachs beherrscht wird, kann eine Sprachkenntnis als verhandlungssicher gelten. Dann kann im Lebenslauf stehen, Sprache in Wort und Schrift verhandlungssicher zu beherrschen.

  4. Muttersprachler

    Wenn es sich um eine Sprache handelt, mit der Bewerber aufgewachsen sind, wird von Muttersprache gesprochen. Auch hierbei sollte erwähnt werden, ob diese verhandlungssicher beherrscht wird, da Muttersprachler sich meist auf die Alltagssprache beziehen.

Es gilt immer: Sprachkenntnisse müssen belegt werden. Reiche Zeugnisse, Zertifikate und Nachweise über Auslandsaufenthalte mit Angaben über dortige Tätigkeiten ein. Dann steigen die Chancen auf einen Ausbildungsplatz oder eine Stelle sprunghaft an. Zertifikate anerkannter Sprachschulen helfen sehr.

Wie beschreibe ich meine Sprachkenntnisse im Lebenslauf?

Du weißt nun, wie Deine Sprachkenntnisse einzuordnen sind. Im Zweifel ist eine Überprüfung einfach. Lese eine entsprechende Fachzeitschrift der betreffenden Branche und teste, wie gut Du die Texte ohne Zuhilfenahme von Sprachwörterlexika verstehst. Dann sollte zu jeder angeführten Fremdsprache eine entsprechende Erklärung angegeben werden. Füge Belege den Anlagen der Bewerbungsmappe bei und erwähne diese auch im Bewerbungsbrief. Benutze auch professionelle Bewerbungsvorlagen.

Prüfe nun, welche Sprachkenntnisse im Unternehmen erforderlich sein können.

  • Besitzt die Firma Niederlassungen im Ausland?
  • Kommen viele Kunden aus dem Ausland?
  • Werden mit Partnerunternehmen aus verschiedenen Ländern regelmäßige Kontakte gepflegt?
  • Welche Sprachen werden im Unternehmen gesprochen?
  • Welches Sprachniveau ist erforderlich?
  • Welche Herkunft besitzen die Vorgesetzten?
  • Welche Herkunft besitzen die meisten Mitarbeiter?
  • In welchen Sprachen werden Fachartikel der Branche veröffentlicht?

Es reicht nicht aus, die Sprachen ohne Bemerkungen anzugeben. Personaler wollen explizit wissen, welches Niveau beherrscht wird und dieses meist überprüfen. Oft werden Tests in der jeweiligen Sprache durchgeführt, um Hochstapler zu entlarven.

Dennoch solltest Du eher ein wenig hochstapeln als Dein Licht unter den Scheffel zu stellen. Gibst Du etwa lediglich erweiterte Grundkenntnisse an, wenn verhandlungssichere Sprachkenntnisse erforderlich sind, versinken Deine Chancen sofort. Sprachkenntnisse können ausgebaut werden, das wissen auch Personaler. Wenn Deine erweiterten Grundkenntnisse gut sind, Deine Sprachbegabung erkannt wird, werden Dir auch noch vorhandene Lücke zugestanden. Ist Deine Motivation sehr gut, wird Dir eher ein Sprachkursus angeboten, als dass Dir eine Absage erteilt wird.

Solltest Du im Ausland beschäftigt werden, sollten die Sprachen gut beherrscht werden. Um sich selber gut einschätzen zu können, sollte dem Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen des Goethe Instituts gefolgt werden: http://www.goethe.de/Z/50/commeuro/i3.htm.

Fazit: Je genauer und präziser Sprachekenntnisse angegeben und belegt werden, umso interessierter wird ein Personaler sein.

Lebenslauf, Sprachkenntnisse und Bewerbung

Im Bewerbungsschreiben und Lebenslauf werden Sprachkenntnisse aufgeführt und belegt. Kommt es zu einem Einstellungstest, werden derartige Angaben überprüft. Auch im Vorstellungsgespräch wird der Aspekt thematisiert. Personaler wissen, dass zwischen 10% und 20% der angegebenen Sprachkenntnisse von Bewerbern übertrieben sind. Allerdings sind erforderliche Kenntnisse von Unternehmen ebenfalls nicht immer wahrheitsgemäß beschrieben.

Frage im Vorstellungsgespräch selbstsicher nach, zu welchen Aufgaben bestimmte Sprachen benötigt werden. Ist die Antwort, dass bisweilen E-Mails in Englisch zu beantworten sind, oder in wenigen Fällen ein Kunde in Englisch Fragen stellt, sind wohl Erweiterte Grundkenntnisse ausreichend, auch wenn ein verhandlungssicheres Englisch gefordert wird. Auch Firmen neigen nicht selten dazu, sich selbst zu erhöhen.

Biete dem Personaler dann an, das Vorstellungsgespräch in Teilen in Englisch zu führen, um ihm die Möglichkeit zu bieten, Deine Kenntnisse direkt prüfen zu können. Beachte, dass Du dies nur anbieten solltest, wenn Du sicher bist, fließend ein Gespräch führen zu können. Mit zu einfachem Englisch und mit zu fehlerhafter Grammatik wir die Probe zum Fiasko.